Mit dem Röntgenblick durch Archive und Museen

2010, Vortrag von Oliver Hahn, BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung

Seit Jahrtausenden geben Menschen ihr Wissen in Form von Schriftgut an ihre Nachkommen weiter. Historische Texte bilden einen bedeutenden Anteil am kulturhistorischen Erbe der unterschiedlichsten Kulturkreise der Menschheit. Die Fragen nach dem Verfasser, dem Alter, der Herkunft sowie vorhandener Korrekturen und Nachträge sind von großem Interesse. Diese sind oft nicht alleine durch literatur- bzw. musikwissenschaftliche Methoden zu beantworten, so dass zusätzliche naturwissenschaftliche Untersuchungen notwendig werden. Darüber hinaus ist oftmals eine chemische Charakterisierung des historischen Materials erforderlich, um Restaurierungs- oder Konservierungskonzepte zu erstellen.

Viele naturwissenschaftliche Methoden zur Bestimmung der chemischen Zusammensetzung setzten bisher eine Probenentnahme an den historischen Objekten voraus. Dies ist bei den teilweise einzigartigen Kulturgütern undenkbar. Durch die Weiterentwicklung röntgenanalytischer Methoden ist jedoch heute eine Elementanalyse ohne Probenentnahme möglich. Synchrotronbasierte Verfahren wie die Röntgenabsorptionsspektroskopie erlauben die Bestimmung von Bindungszuständen; Infrarotspektroskopie in Reflexion mittels Synchrotronstrahlung ermöglicht eine zerstörungsfreie organische Analyse.

Der Vortrag möchte anhand einiger bedeutender Beispiele die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen naturwissenschaftlicher, zerstörungsfreier Analysen im Bereich von Schriftgut, Graphik und Malerei aufzeigen. Der Schwerpunkt wird hierbei auf schwarze Mal- und Zeichenmaterialien gelegt, da diese Materialien im Bereich der naturwissenschaftlichen Analyse bislang eher weniger Beachtung fanden.


Referenten:
Oliver Hahn,
BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung

Bildergalerie der Veranstaltung:

Bilder: © 2021 DVS-Bezirksverband Mannheim-Ludwigshafen

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